Geschichte

In der Vergangenheit war der Floh Circus eine Standardattraktion auf Jahrmärkten und Volksfesten. Gezeigt wurden Flöhe, die kleine Kutschen oder Karussells bewegen, Bälle in Tore schießen oder auf dem Hochseil balancieren. Damals waren Menschenflöhe weit verbreitet und es konnten problemlos neue Artisten für den Flohcircus gefunden werden.

Von den über 2500 Floh-Arten sind nur sehr wenige für die Arbeit im Floh Circus geeignet. Bevorzugt wurde der Pullex irritans (Menschenfloh) für Circus-Vorführungen, da die meisten anderen Arten nicht stark genug sind, um den harten Alltag des reisenden Circus durchzustehen.

Durch die steigende Hygiene der Menschen wurde es immer komplizierter, genügend Insekten für zu bekommen. Bereits 1935 bot Professer Chester auf der Suche nach Flöhen für seinen Circus zwei Dollar für ein Dutzend Tiere. Mitte der fünfziger Jahre bot Professor Testo in England sechs Schillinge für ein Dutzend. Später stiegen die Preise in England bis auf zwei Pfund pro Stück.

Es war Tradition, sich auf den Reisen von Jahrmarkt zu Jahrmarkt Flöhe aus der Heimat nachschicken zu lassen. Dafür wurden die Flöhe in Seidenpapier verpackt und in passenden Umschlägen versendet. Dabei musste darauf geachtet werden, dass die Flöhe nicht in die Ecke des Umschlages gelangen und vom Poststempel zerdrückt werden.

Der wohl erste bekannte Flohzirkus war „Professor Bertolotto's industrious Fleas“ aus London, der weltweit reiste und schon im Januar 1859 am Broadway in New York gastierte.

Die Ausbildung der Flöhe ist eine geduldige und krabbelige Angelegenheit. Durch Beobachtung der Jungtiere wird festgestellt, zu welchen Tricks ein Floh fähig ist. Dieses angeborene Verhalten wird dann gefördert. Bereits Professor Heckler, der einen Floh Circus in Hubert's Museum in New York betrieb, dressierte auf diese Art seine Flöhe. Heckler und Bertolotto sind sich einig, dass weibliche Flöhe ein besseres Dressurverhalten an den Tag legen.

Eine berühmte Floh Circus Dynastie ist die Familie Torp. William Torp gründete bereits in den zwanziger Jahren seinen Floh Circus in England. Zusammen mit seiner Frau Else Torp reiste er rund dreißig Jahre über Jahrmärkte in Europa. Von 1952 bis 1965 betrieben die Torps ihren Floh Circus im berühmten Tivoli in Kopenhagen. Die dänische Bezeichnung für den Floh Circus ist Loppecirkus. Der Sohn John Torp lernte die Kunst der Floh-Dressur von seinen Eltern und eröffnete 1960 einen Floh Circus im Palisades Amusement Park in New Jersey/USA. Nach zwei Saisons ging er auf die Reise und durchquerte die USA von der kanadischen Grenze bis nach Florida und von der Westküste bis zur Ostküste. Es gibt von dieser Tour über 200 Zeitungsartikel, Interviews in 80 Radio-Stationen und Auftritte in 60 Fernsehshows. In den siebziger Jahren eröffnete John Torp einen Floh Circus auf Teneriffa.

Eine alte Floh-Circus Tradition hat auch die Familie Mathes aus Nürnberg, die seit mehr als 50 Jahren ihren Floh Circus auf dem Münchener Oktoberfest betreibt. Dieser Floh Circus wurde schon Mitte des 19. Jahrhundert gegründet.

Aktuell führt Marco Assmann die alte Tradition des reisenden Floh Circus fort. Er zeigt Flöhe, denen ein feiner Golddraht um den Hals gelegt wurde und klassische Kunststücke wie die Kutschfahrt, das Trapez oder den Seiltanz. Er ist wahrscheinlich der letzte Floh Circus Deutschlands, der neben gebuchten Veranstaltungen mit einer traditionellen Schaubude von Jahrmarkt zu Jahrmarkt reist und das Publikum zum Staunen bringt.

Wenn man heutzutage einen Floh Circus sieht, handelt es sich meistens um einen sogenannten „Humbug-Floh-Circus“ ohne Flöhe, indem die Vorführungen der „Flöhe“ durch geschickte Fingerfertigkeit und Zaubertricks erreicht werden. Auch diese Form des Floh Circus ist besonders beeindruckend und sehr unterhaltsam. Zu den Pionieren dieses Floh-Entertainments gehören Jim Alberti in den USA und Wolfgang Großkopf in Europa.

© 2008 Marco Assmann
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Marco Assmann`s Floh Circus (c) 2010